Chronik

Die Gründung der Genossenschaft

Der Gedanke zur Gründung einer Wohnsiedlung für Eisenbahnbedienstete wurde zu Beginn des Jahres 1894 durch den Vorstand der Königlichen Eisenbahnhauptwerkstätte (danach Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Potsdam), Herrn Geheimen Baurat Paul Schumacher, unterbreitet.

Der Vorstand des Werkstättenamtes hatte an der Entstehung der Wohnsiedlung ein lebhaftes Interesse, um zur Beseitigung von Eisenbahnunfällen und Betriebsstörungen gut geschultes Hilfspersonal schnell einsetzen zu können.

Geeignetes Siedlungsgelände in der Nähe des Potsdamer Bahnhofs Lind der Werkstatt war vorhanden. Besitzer dieses in Frage kommenden Baulandes war die Eisenbahnverwaltung, vertreten durch die Eisenbahnverwaltung Berlin. Das Land gehörte zum ehemaligen Gutsbezirk Potsdam-Rittergut und lag im Landkreis Zauch Belzig.

Die damalige Königliche Eisenbahn-Direktion war bereit, mehr als zwei Hektar Gelände zu einem sehr niedrigen Preis einer Genossenschaft zu überlassen.

25 Bedienstete der Königlichen Eisenbahn der Hauptwerkstätte Potsdam unternahmen mit Unterstützung ihres Vorstandes den Versuch, eine Wohnsiedlung für Eisenbahnbedienstete direkt vor den Toren ihrer Arbeitsstätte zu gründen. Unter dem Namen Bau- und Sparverein für Eisenbahnbedienstete zu Potsdam und Umgebung eGmbH. wurde eine Genossenschaft gegründet. Die Gründung wurde durch Eintragung beim Amtsgericht Potsdam am 17. Februar 1894 gerichtlich und gesetzlich vollzogen. Die erste Baugenossenschaft Potsdams und weitester Umgebung wurde damit ins Leben gerufen.

Die ersten Häuser entstehen

Bereits am 2. September 1894 wurde der Grundstein für das Haus Nr. 1-2 gelegt. Der Name der Straße „Kolonie Daheim“, der sich bis heute durch alle Wirren der Zeit und vieler örtlicher Namensänderungen im Laufe der Jahre fest behauptet hat, wurde auf ausdrücklichen Wunsch des Begründers der Genossenschaft, Herrn Geheimen Baurat Paul Schumacher, gewählt.

Die Entwicklung der Kolonie Daheim vollzog sich bis 1909 ohne Unterbrechung. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden ein Einzelhaus und achtzehn Doppelhäuser mit insgesamt 210 Wohnungen errichtet. In den Häusern befanden sich auch Geschäftsräume für einen Lebensmittelhandel, eine Fleischerei und eine Gastwirtschaft mit Saal und Kegelbahn. In der Kolonie Daheim lebten zu dieser Zeit ca. 800 Einwohner.

Ein gewagter Schritt in der damaligen Zeit war die Gründung einer Konsumgenossenschaft durch die Väter der Genossenschaft im Jahr 1901. Am 1. Oktober 1901 hielt der Konsum seinen Einzug in die neuerbauten Geschäftsräume im Haus Kolonie Daheim 18/19. Der Konsum wurde das bestgehendste Geschäft in der weiteren Umgebung. Der steigende Umsatz erreichte um 1912 die jährliche Summe von 0,5 Mio. (!) Mark. Bereits damals wurde eine jährliche Rückvergütung ausgezahlt, anfangs 5 Prozent, später 10 Prozent.

Aus der Geschichte unserer Genossenschaft – um 1920

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges im Jahre 1914 brachte für die Menschen eine völlig neue, veränderte Situation. Es begann eine Zeit der Not und der Knappheit. Die Zwangsbewirtschaftung von Lebensmitteln sollte in dieser Zeit Linderung schaffen. Darum wurde der größte Teil der genossenschaftlichen Wiesen in Kleingartenparzellen mit durchschnittlich 300 m² Fläche aufgeteilt.

Emsig wurden die Flächen bewirtschaftet und bepflanzt. Obst und Gemüse wurde für den Eigenbedarf angebaut. Diese in der Not entstandenen Gärten haben sich bis heute erhalten und werden von vielen Pächtern als Hobbygarten sowie für Erholung und Freizeit genutzt.

Nach Beendigung des ersten Weltkrieges wurde die Frage der Eingemeindung aufgrund einer Verordnung der neuen Regierung wieder aktuell. Die Landgemeindeordnung schaffte die Voraussetzung, eine Eingemeindung im öffentlichen Interesse zwangsweise zu vollziehen, ohne die Betroffenen zu befragen. Am 1. Oktober 1920 wurde die Kolonie Daheim aus dem Gutsbezirk Potsdam-Rittergut des Landkreises Zauch-Belzig in den Stadtkreis Potsdam umgemeindet. Damit hatten langwierige Verhandlungen einen würdigen Abschluss gefunden.

Aus der Geschichte unserer Genossenschaft – 30-iger Jahre

1929 ging ein langgehegter Wunsch, der Bau der Kanalisation und die Installation der Wasserleitung, in Erfüllung. Gleichzeitig konnten die Abortanlagen, die sich außerhalb der Häuser befanden, durch Neuanbauten verbessert werden. Alle Hausgärten erhielten 1935 einen Wasseranschluss. In die Waschküchen der Hofgebäude wurden 1937 Kupferkessel eingebaut. Alle Gehwege konnten aus genossenschaftlichen Mitteln befestigt und mit einem Mosaikpflaster versehen werden.

Nach langwierigen Verhandlungen wurde 1935 die Pflasterung der Straße von Haus Nr. 22 bis Haus Nr. 37 vorgenommen. Ein Verbindungsweg zwischen dem bereits aufgeteilten Exerzierplatz wurde im Jahr zuvor angelegt. Dieser Weg führt von der Kolonie Daheim, Haus 24, längs des Straßenbahndepots zur Einmündung Drevesstraße in die Saarmunder Straße (heute Heinrich-Mann-Allee). Der einzige Zugangsweg in diese Richtung war bisher der damalige Privatweg am alten Friedhof gewesen. Zwischen den Häusern Nr. 19 und Nr. 20 sollte ein dreigeschossiger Neubau errichtet werden. Hier waren 30 moderne Wohnungen geplant. Im Jahre 1939 waren bereits die Vorleistungen für diese Baumaßnahme abgeschlossen. Als Baubeginn war der 1. September 1939 benannt.

Zerstörung und Neubeginn

Die nächste Tragödie, der 2. grausame Weltkrieg brachte den Menschen Not, Elend und Zerstörung. Während des amerikanischen Luftangriffes auf Potsdam am 13./14. April 1945 wurden auch in der Kolonie Daheim fünf Häuser von Bomben getroffen. Nach Ende des Krieges mussten die zerstörten Häuser enttrümmert, andere, durch Bombenangriffe beschädigte Häuser wieder mühsam instandgesetzt werden. Männer, Frauen und Kinder waren ständig im Einsatz.

Aus den Hilfeleistungen und Einsätzen entwickelte sich ein festes Aufbauprogramm zur Beseitigung der Kriegsschäden.

Viele unzählige Stunden wurden von Bewohnern der Kolonie Daheim freiwillig für die Genossenschaft geleistet. Bis in die heutige Zeit werden Arbeiten für den Werterhalt der Häuser und des Wohnumfeldes von allen Mitgliedern der Genossenschaft durchgeführt.

Der Aufbau eines Kulturheimes

Zum Beginn der 50-iger Jahre wurde durch die Bewohner der Genossenschaft in vielen freiwilligen Arbeitseinsätzen ein Kulturheim mit Gaststättenbetrieb errichtet. Die Gaststätte wurde bis zum Jahr 1989 durch die Genossenschaft betrieben.

Das Kulturheim ist seit 1990 verpachtet und wird als Gasttätte “Wiesenbaude” betrieben. Es wird auch für viele Veranstaltungen und Familienfeiern genutzt.

Durch viel Eigeniniative des Pächters und mit Unterstützung durch Gäste und Anwohner präsentiert sich das Haus heute als schöne Gartengaststätte.